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Schwäbische Alb Südrandweg: Von Oberliezheim nach Dischingen

Bevor ich mich an die zweite Etappe des Schwäbische Alb Südrandwegs machte, versuchte ich, meinen Rucksack um ein paar Gramm zu erleichtern. Die zweite Packung Studentenfutter, die Tasche für den Fotoapparat, der Wanderführer und ein Vesperbrett, das von der letzten Familienwanderung noch im Rucksack war, flogen raus. Das reduzierte das Gewicht von 7 auf 5,9 Kilogramm. Schon sehr viel erträglicher.

Die zweite Modifikation meiner Ausrüstung betraf die Socken: Die handgestrickten Wollsocken wurden durch ein paar ganz normale Wollsocken ersetzt, die ich auch sonst trage. Anfangs fürchtete ich, dass ich mir damit Blasen einhandeln würde, aber es ging doch ganz gut.

Etwas problematisch war die morgendliche Anreise nach Oberliezheim. Mit dem Bus erwies sich das als unmöglich. Also fuhr ich mit der Bahn bis Höchstädt und von dort mit dem Taxi, das ich am Abend vorher bestellt hatte, nach Oberliezheim. Dadurch kam ich eine Stunde früher weg, als bei der letzten Etappe. Und das konnte ich ganz gut brauchen, da diese zweite Etappe immerhin 23 Kilometer lang war.

Am Ortsausgang von Oberliezheim ein paar Pflaumen gepflückt und gegessen. So gestärkt ging es an der wenig befahrenen Straße nach Unterliezheim und dann durch den Wald am Osterstein vorbei nach Unterfinningen.

Osterstein

Der Osterstein ist ein Kalkblock, der wohl beim Meteoriteneinschlag aus dem Ries herausgerissen und bis hierher geschleudert wurde. In der Hallstattzeit wurde diese Stelle wohl als Opferstätte benutzt.

Als ich die etwa fünfzig Meter vom Osterstein zum Wanderweg wieder hinunterstieg, bin ich auf dem Kalkschotter ausgerutscht und konnte mich gerade noch fangen. Das wäre beinahe das vorzeitige Ende meiner Wanderung gewesen. Meine Erste-Hilfe-Ausrüstung hätte mir bei einem verstauchten Fuß nichts genützt, aber mit dem Mobiltelefon hätte ich mir Hilfe herbeiholen können.

Hinter Unterfinningen ging es durch den Wald entlang der bayrisch-württembergischen Grenze weiter Richtung Demmingen, der östlichsten Gemeinde Baden-Württembergs. Hier in diesem Waldstück habe ich einmal beinahe und einmal tatsächlich den Weg verloren. Schlecht, da der auf der L 7238 nicht eingezeichnet ist. Das erste mal merkte ich es nach hundert Metern, ging zurück zur Kreuzung und fand die Wegmarkierung, die vom Pfosten gefallen war, weil sich die Schrauben gelöst hatten. Beim zweiten mal ging ich etwa dreihundert Meter in die falsche Richtung. Also wieder zurück zur letzten Markierung. Mein Weg machte an der bayrisch-württembergischen Grenze eine scharfe Kurve nach rechts. Von links, aus Württemberg, kam ein Weg herauf, der aber nicht bis zum bayrischen Weg vorstieß, sondern fünf Meter vorher, vor einem Graben, einen scharfen Knick nach links machte. Ich ging jeden der drei Wege nochmals langsam fünfzig Meter ab, aber nirgends fand ich ein Wegzeichen. Also entschied ich mich für den, der laut topographischer Karte am direktesten nach Demmingen führte. Der erwies sich dann als richtig, denn etwa dreihundert Meter hinter der Kreuzung, ohne irgendwelche Notwendigkeit, war dann doch noch ein Wegzeichen angebracht.

Vor Antritt der Wanderung hatte ich mich über die Öffnungszeiten des Gasthofs zum Stern informiert. Etwa um 13:15 war ich da, laut Website hat er bis 13:30 geöffnet. Als ich ankam, war der letzte Gast gerade mit seinem Nachtisch fertig. Der Wirt erbarmte sich und bot mir noch ein Schnitzel mit Pommes und Salat an. Dazu gab es ein Bier. Kein kulinarischer Hochgenuß, aber besser als nichts und eine willkommene Stärkung.

Hinter Demmingen ging es am Naturschutzgebiet Griesbuckellandschaft vorbei. Dort verlor ich zum dritten mal den Weg und fand ihn auch nicht wieder. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mir selbst einen Weg nach Dischingen in der Karte zu suchen. Doch nach etwa 1,5 Kilometern stieß ich wieder auf den Hauptwanderweg 2.

Griesbuckellandschaft bei Demmingen

Durch Wald, Feld und Tal näherte ich mich Dischingen. Inzwischen war ich schon etwas müde, aber längst noch nicht so fertig wie bei der letzten Etappe. Bei dieser Etappe habe ich auch sehr viel mehr Pausen gemacht. Nach jeweils 45 bis 60 Minuten habe ich mich etwa 10 bis 15 Minuten ausgeruht. Das  verringerte meine durchschnittliche Wandergeschwindigkeit nicht wesentlich, steigerte aber meinen Genuß erheblich.

Englischer Wald bei Schloß Taxis

Vor Dischingen ging es durch einen schönen Englischen Wald, der zum Schloß Taxis gehört. Hinter dem Schloß ging es dann hinunter nach Dischingen. In Dischingen angekommen musste ich keine fünf Minuten auf den Bus nach Heidenheim warten, von wo aus es in der überfüllten Regionalbahn nach Ulm weiterging. Erst als sich der Bus schon Heidenheim näherte, fiel mir ein, dass ich ganz vergessen hatte, meinen Wanderpass abstempeln zu lassen. Na ja, vielleicht mache ich das, wenn ich das nächste Mal in Dischingen loslaufe. Oder ich werfe den Wanderpass ganz weg. Schließlich geht es mir ja um den Weg, und nicht um die Urkunde, oder?