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Schwäbische Alb Südrandweg: Von Donauwörth nach Oberliezheim

Heute habe ich also die erste Etappe des Schwäbische Alb Südrandwegs in Angriff genommen. Von Ulm nach Günzburg mit dem EC, von dort mit der Regionalbahn weiter nach Donauwörth, der Hubschrauberstadt Europas und der Stadt der Käthe-Kruse-Puppen, wie ein Schild am Bahnhof den Reisenden informiert.

Um wirklich am Anfang anzufangen, bin ich noch die etwa zwei Kilometer in die Stadtmitte gegangen. Bei der Touristen-Information habe ich mir einen Stempel in meinen Wanderpaß drücken lassen und die Übersichtstafel des Schwäbischen Albvereins über die beiden Albrandwege fotografiert. In den nächsten Monaten will ich die 290 Kilometer von Donauwörth nach Tuttlingen zurücklegen. Also auf Richtung Westen!

Die beiden Hauptwanderwege des Schwäbischen Alb Vereins

Noch während ich durch die gewerblichen Randgebiete von Donauwörth mit zerfallenden Industrie- und Bahngebäuden lief bemerkte ich, dass meine Füße ziemlich warm wurden. Trotz des trüben Wetters hatte es zwischen 15 und 20 Grad und meine dicken handgestrickten Wollsocken waren viel zu warm. Bei der nächsten Etappe werde ich dünnere Socken ausprobieren.

Am Ende von Donauwörth ging es über einen fußgängerunfreundlichen, lebensgefährlichen Verkehrskreisel und durch eine noch lebensgefährlichere Eisenbahnbrücke Richtung Riedlingen. Alle paar Meter war das rote Dreieck zu sehen, das mir den Weg Richtung Tuttlingen wies. Durch Riedlingen hindurch, an der Straße den Berg hoch, und dann endlich an einer Doline nach links auf einen Schotterweg, zwischen Feld- und Waldrand und schließlich in den Wald hinein. Noch zwei Jogger kamen mir entgegen und ein Nordic Walker überholte mich. Er sah ziemlich sportlich aus und entwickelte einen ziemlichen Lärm, kam aber kaum schneller voran als ich. Dann endlich kehrte Ruhe und Einsamkeit ein.

Schon glaubte ich, dass ich meine zwei Wanderkarten (UK 50-21 und L 7328) umsonst eingesteckt hatte, da bemerkte ich, dass ich den Weg verloren habe. Schon die zweite Schotterwegkreuzung ohne Wanderwegzeichen, das konnte nicht sein. Irgendwo vor drei Kreuzungen bin ich in Pfeilrichtung geradeaus gelaufen, statt halbrechts abzubiegen. Ich kramte also erstmals meine Wanderkarte heraus und versuchte mich zu orientieren. Eigentlich, so sagen alle Wanderbücher, ist das ein Fehler: Man sollte ständig auf die Karte schauen und sich immer darüber klar sein, wo man sich gerade befindet. Aber da hier so viele Wege und Kreuzungen waren, war es relativ einfach herauszufinden, wo ich mich ungefähr befand und wie ich wieder zum richtigen Weg zurückfinden würde.

Ich hatte drei Optionen: Etwa 1,5 Kilometer zurücklaufen und dann die richtige Abzweigung einschlagen. Zwei Kilometer weiterlaufen und in Oppertshofen wieder auf den Hauptwanderweg 2 stoßen. Oder 500 Meter über einen Querweg laufen und dann noch im Wald wieder auf den richtigen Weg einbiegen. Ich entschied mich für die dritte Option. Vor allem, weil ich auf Reichertsweiler neugierig war und hoffte, dort ein Gasthaus zu finden.

In dieser Hinsicht wurde ich jedoch enttäuscht: Reichertsweiler erwies sich als riesiger Schweinezuchtbetrieb. Mit einem hohen Zaun umgeben und ohne Gasthof. Aber Oppertshofen war nicht weit, und dort hoffte ich mich zu stärken. Die Enttäsuchung war jedoch groß, als ich am Gasthof Krone in Oppertshofen ankam, und lesen musste: Dienstags Ruhetag. Also weiter durch den Ort durch, die Kessel gequert und an einem Baum am Ortsrand, auf dem Anstieg Richtung Rannenberg ein paar blauschwarze Renekloden geentert. Kugelrund, klein, blauschwarz, nicht sehr süß, aber lecker!

Oben am Rannenberg habe ich dann die erste Pause gemacht. Studentenfutter und Wasser mußten mir Schnitzel und Bier ersetzen. Doch nach zweieinhalb Stunden Wanderung ein wahre Wohltat.

Nach einer Viertelstunde Rast ging es weiter. Ohne Wegmarkierung in der topographischen Karte L7328. Wenn ich jetzt also den Weg verlieren würde, müßte ich tatsächlich bis zum letzten Wanderwegzeichen zurückgehen. Also gab ich ab jetzt besonders gut auf die Zeichen am Wegrand acht.

Da ich gut in der Zeit lag, beschloß ich, nicht nach Bissingen hinunterzuwandern und die erste Etappe dort zu beenden, sondern den Rest nach Oberliezheim auch noch zu packen. Durch ein ausgedehntes Waldstück näherte ich mich dem Ende meiner ersten Etappe. Inzwischen taten mir der Rücken und die Füße weh. Bewußt versuchte ich, den nicht belasteten Fuß bei jedem Schritt zu entspannen. Das half ein wenig. Ich schnallte erstmals auch den Hüftgurt des Rucksacks fest, was die Schultern entlastete. Trotzdem war ich froh, als ich nach etwa 19 Kilometern (Umweg und Stadtbesichtigung in Donauwörth mitgerechnet) Oberliezheim erreichte.

Oberliezheim

Doch auch hier kein Gasthof, kein Bier, kein Eis! Und keine Stelle, wo ich mir einen Stempel in den Wanderpass drücken lassen konnte. Ich fuhr daher mit dem Bus nach Bissingen, holte mir einen Stempel in der Apotheke, zwei Bier in einem Gasthof, einige Leckereien beim Bäcker, und fuhr dann mit dem Bus nach Dillingen. Ich war der einzige Fahrgast. Von Dillingen dann mit der Regionalbahn zurück nach Ulm und mit dem Bus nach Hause, müde und voller Eindrücke.

Ich war schlechter in Form, als ich dachte. Neunzehn Kilometer aus dem Stand mit einem Rucksack, sieben Kilogramm schwer, waren doch nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe. Die nächsten zwei Tage hatte ich ziemlichen Muskelkater in den Beinen. Doch ich freute mich auf die nächste Etappe.